Toskana abseits der Postkartenorte: kleine Straßen, kleine Plätze
Die Toskana hat mehr als die bekannten Postkartenorte. Im Hinterland sind die Straßen leerer, die Plätze ruhiger und das Tempo wieder so, wie man es sich beim Planen vorgestellt hat.
San Gimignano, Pisa, Florenz, Siena. Die bekannten Orte der Toskana funktionieren mit dem Camper, aber selten entspannt. Enge Zufahrten, volle Parkplätze, im Hochsommer auch mal lange Wartezeiten. Wer einmal versucht hat, im Juli mit einem Kastenwagen in San Gimignano zu parken, schaut beim nächsten Mal eher in die andere Richtung.
Die Toskana hat aber sehr viel mehr als ihre bekannten Postkarten. Im Hinterland sind die Straßen leerer, die Stellplätze sind ruhiger und die Orte sind oft genauso schön, nur ohne Bus-Andrang.
Wo es im Mai schon gut funktioniert
Im Frühjahr ist die Toskana besonders angenehm. Mai ist Tag-mit-Sonne-und- nachts-noch-kühl-Zeit. Tagsüber zwanzig bis fünfundzwanzig Grad, abends fünfzehn, manchmal weniger. Genau das Wetter, in dem ein Tag draußen nicht anstrengt.
Im Mai funktionieren vor allem die Regionen, die im Hochsommer entweder zu heiß oder zu voll werden:
- Maremma im Süden, Richtung Saturnia und Pitigliano.
- Crete Senesi südlich von Siena.
- Casentino, das stille Tal nordöstlich von Florenz.
- Garfagnana zwischen Lucca und den Apuanischen Alpen.
- Val d’Orcia, immer noch fotogen, im Mai aber nicht überlaufen.
Diese Regionen haben mit den bekannten Postkartenorten gemeinsam, dass sie schön sind. Sie haben weniger gemeinsam mit der Bus- und Bartouristik der zentralen Toskana.
Was Kastenwagen-tauglich ist und was nicht
Die Toskana ist nicht überall mit dem Kastenwagen problemlos befahrbar. Manche Bergdörfer haben Zufahrten, in denen ein größeres Fahrzeug schlicht nicht ankommt. Andere Orte haben offiziell Camper-Verbote oder beschränkte Höhen.
Was im Vorhinein hilft:
- Anfahrt auf Satellitenbild prüfen, nicht nur auf Standard-Karte.
- Auf Camper-Foren nachsehen, ob aktuelle Beiträge die Zufahrt bestätigen oder nicht.
- Für historische Ortskerne lieber außerhalb parken und zu Fuß rein.
- Bei Schotterstraßen auf das Wetter achten, nach starkem Regen können Wege weich werden.
Pitigliano, Sorano, Volterra sind Orte, in denen man besser auf einem ruhigen Platz außerhalb steht und zu Fuß ins Zentrum geht. Das spart Nerven und schafft meistens den schöneren Zugang.
Stellplätze in der Maremma und im Casentino
Die Stellplatz-Lage in der Toskana ist gut, aber sehr unterschiedlich. Große Plätze an der Küste sind im Mai schon belebt, im Juni und Juli oft voll. Im Hinterland ist die Lage entspannter.
Was bei mir gut funktioniert hat:
- Agriturismi mit eigenem Stellplatz, oft sehr ruhig und mit gutem Blick.
- Kleine private Plätze in der Maremma, manchmal nur fünf Stellplätze.
- Bauernhof-Stellplätze im Casentino, häufig mit Versorgung wie Wasser und Entsorgung, aber ohne Strom oder Sanitär.
In dieser Region lohnt sich der Anruf vor der Anreise. Viele Plätze sind nicht in den großen Apps gelistet, sondern nur auf der eigenen Webseite oder über den Tourismusverband.
Tagesablauf im toskanischen Hinterland
Im Hinterland passt der Tag oft so:
- Morgens spazieren, bevor die Sonne stark wird.
- Mittags Essen vom Markt oder im kleinen Restaurant am Ort.
- Nachmittags Pause im Schatten oder am Wasser, sofern eines in der Nähe ist.
- Spätnachmittag eine kurze Etappe in die nächste Region oder zurück zum Stellplatz.
Diese Toskana ist eher langsam. Wer in einer Woche fünf bekannte Städte abhaken will, kommt hier nicht weit. Wer zwei oder drei Regionen wirklich sehen will, ohne sie nur zu durchqueren, hat im Hinterland mehr Ruhe.
Was im Hochsommer wieder anders ist
Im Hochsommer verändert sich die Toskana stark. Auch im Hinterland wird es heiß, oft über 35 Grad. Die Camper-Lager an der Küste füllen sich, Stellplätze im Inland sind weiter angenehmer, brauchen aber Schatten und sind seltener kühl genug für gute Nächte.
Wer im Juli oder August fährt, sollte die Maremma vermeiden, wenn die Mücken-Saison anfängt. Wer in höhere Lagen ausweicht, etwa in den Apennin Richtung Garfagnana, hat angenehmere Nächte und weniger Andrang.
Was am Ende bleibt
Toskana ist mit dem Camper kein Spaziergang, aber sie funktioniert, wenn man die richtigen Regionen wählt. Die berühmten Orte sind schön und nicht zu meiden, aber sie sollten nicht der Tagesablauf sein. Im Hinterland verschiebt sich das Bild: weniger Plan, mehr Sehen.
Im Mai ist das einer der schönsten Monate für die Toskana. Wer ihn nutzen kann, sollte ihn nutzen.